Als am Pfingstmontag 2025 der traditionelle Fackelumzug der Wildeshauser Feuerwehr durch die Stadt zog, marschierte ich als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ganz selbstverständlich mit. Was niemand neben mir wusste: Am nächsten Morgen würde ich ein Amt antreten, das das gesamte folgende Gildejahr prägen sollte. Bis zur Proklamation am Pfingstdienstag darf der künftige Schaffer sein Wissen für sich behalten. Genau dieses Geheimnis im Bauch, mittendrin im Festtreiben der eigenen Kameradschaft, war einer der spannendsten Momente, die ich erlebt habe.
Am Pfingstdienstagmorgen frühstückte ich dann ganz entspannt mit Axel Iben und einigen guten Freunden. Niemand am Tisch ahnte, was uns beiden an diesem Tag bevorstehen sollte, auch Axel selbst nicht. Wenige Stunden später wurde er zum neuen Gildekönig ausgerufen und ich zum Schaffer der Wildeshauser Schützengilde. Dass wir diesen Tag, der unser Gildejahr gemeinsam prägen sollte, ganz ohne Vorahnung mit dem Morgenkaffee begonnen hatten und uns dann auf dem Podest mit umso größerer Freude wiederbegegneten, gehört zu den schönsten Erinnerungen meines Schafferjahres.
Die Schafferproklamation selbst werde ich nie vergessen. Auf dem Podest zu stehen, vor den Wildeshauser Bürgerinnen und Bürgern, dem Offizierskorps und der gesamten Gilde, war eine Mischung aus Aufregung und Stolz.
Besonders bereichernd war für mich die Einladung der Offiziere zum Rockappell, jene Tradition, bei der unter anderem auch der Schaffer die Offiziere persönlich zu Hause besucht und sie zum Rockappell der Wache einlädt. Gerade dort, in den Wohnzimmern, vor allem der älteren Offiziere, wurde mir die Seele unserer Gilde so richtig bewusst. Die Geschichten, die dort erzählt wurden, die Erinnerungen aus Jahrzehnten Gildezeit, der Humor und die Verbundenheit. In diesen Stunden habe ich gespürt, was den Leitsatz „Die Gilde ist die Stadt – und die Stadt ist die Gilde” wirklich ausmacht: ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das über Generationen hinweg trägt und in jedem Gespräch lebendig wird.
Was dieses Schafferjahr für mich darüber hinaus zu einem ganz besonderen Lebensabschnitt gemacht hat: Mitten in die gildlichen Verpflichtungen fielen zwei Ereignisse, die mich auch privat und beruflich tief geprägt haben. Ich bin in diesem Jahr Vater geworden – ein Glück, das alles andere in den Schatten stellt – und habe parallel dazu meine Doktorarbeit abschließen können. Wenn ich heute zurückblicke, dann war 2025/2026 für mich ein Jahr der ganz großen Schritte: gildlich, beruflich und privat. Drei Wege, die sich überraschend gut zu einem Ganzen gefügt haben – auch dank des Rückhalts, den ich von vielen Seiten erfahren durfte.